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Linux für alle!

15.02.2002: Interview zwischen Andreas Gebhard, Projektleiter Bundestux und der Linux-Communnity

Im Zuge der Debatte um den Einsatz von Open-Source-Software im Bundestag hat die Agentur Werk 21 eine Kampagne unter dem Namen Bundestux gestartet, die bei allen beteiligten Parteien viel Aufsehen erregt hat. Die Linux-Community hatte Gelegenheit, Andreas Gebhardt von Werk 21 ein paar Fragen zu der Aktion zu stellen. LC: Die Bundestux-Kampange hat viel Widerhall in den Medien und bei den beteiligten Parteien erzeugt. Welche Vorstellungen hatten Sie von der Resonanz, bevor die Aktion gestartet wurde?

BT: Wir waren uns bewußt, dass wir, wenn es uns gelingen würde, Abgeordnete aller Fraktionen für unsere Aktion zu begeistern, einen Achtungserfolg erzielen können.

Dass sich aber in kurzer Zeit fast 25000 Leute bei uns eingetragen haben, damit haben wir nicht gerechnet! Besonders toll ist der Zuspruch aus der Communitiy.

Bei 5000 Unterzeichnern hätten wir uns gefreut, jetzt sind es fünf Mal so viele, und es geht weiter.

LC: Werk 21 hat die Bundestux-Kampagne gestartet, aber die Initiative ging von Politikern aus, wenn ich die Berichterstattung bisher richtig verstanden habe. Können Sie den Lesern der Linux-Community genau erklären, wie die Idee geboren wurde?

BT: Die Agentur Werk21 versteht sich als Polit-Agentur. Wir machen also nicht nur klassische Kundenaufträge, sondern wir arbeiten auch für und mit Projekten, die wir unterstützenswert finden und die ein geringes Budget haben.

Um ein kleines Missverständnis aus zu räumen: Das Projekt Bundestux wurde von Werk21 geplant und durchgeführt. Aber ohne die Mithilfe von tausenden Unterstützern wäre das alles nicht möglich gewesen!

Wir wollen mit unserer Arbeit für Bundestux einen Beitrag in der Lobbyarbeit für Freie Software leisten. Besonders im Bereich der Informationstechnologie stehen wir vor besonderen Herausforderungen, die Einführung von Freier Software steht an vielen Stellen vor dem Durchbruch. Ich sprechen hier nicht nur vom Server-Markt, da ist er bereits Realität.

Für Europa, und im speziellen Deutschland, finden wir es wichtig, eigene und vor allem freie Infrastrukturen zu haben, wie in allen Bereichen der Wissenschaft und Forschung überhaupt.

Freie Software hat da eine herausragende Bedeutung. Um diesen Sachverhalt deutlich in die Öffentlichkeit zu bringen, haben wir die Diskussion im Ältestenrat des Bundestages zum Anlaß genommen, um Lobbyarbeit für Open Source zu machen.

Wie wir in unserer Erklärung so schön gesagt haben: "Aus ordnungs-, wettbewerbs- und standortpolitischen sowie demokratischen Gründen ist der Einsatz von Freier Software im Bundestag ein notwendiges Signal für Deutschland ist."

Da wir schon viele Jahre Erfahrung im Bereich der Politik gesammelt haben, sind wir von der "Leuchtturmwirkung" einer Entscheidung für Freie Software im Bundestag überzeugt.

LC: Die endgültige Entscheidung, welche Software im Bundestag nun eingesetzt werden soll, steht ja nun bald ins Haus. Sind weitere Aktionen geplant?

BT: Wir werden versuchen Herrn Thierse unsere Unterschriften direkt zu übergeben. Zusätzlich werden wir in den nächsten Tagen an die Mitglieder des Ältestenrat eine "Bundestux-Knoppix" versenden. Das ist eine CD, die ein ganzes Betriebsystem von CD bootet, samt Anwender-Software (GPL, Logo), eine tolle Sache. Da werden einige Abgeordneten wohl zum ersten Mal Freie Software sehen.

Weitere Aktionen sind in Planung, da wir der Ansicht sind, das proprietäre Software in der Öffentlichen Verwaltung einen nicht so großen Stellenwert haben sollte wie bisher. Der Bundestag ist sozusagen nur der Anfang.

Es gibt in der Verwaltung bundesweit über 1000000 Desktop Rechner, im Bundestag sind es nur 5000 davon - da gibt es noch viel zu tun. Ich will damit die vielen schon vorhandenen Migrationsprojekte auf Freie Software nicht in den Schatten stellen, gibt im Gegenteil schon viele Best-Pratice-Beispiele, aber es müssen mehr werden.

LC: Wie haben den die Politiker auf die Initiative reagiert? Aus welchen Lagern haben Sie Zuspruch für die Kampagne erfahren? BT: Einige fanden unsere Aktion sehr gut. Diese stehen als Erstunterzeichner hinter der Erklärung. Besonders gut war natürlich das Signal, dass alle im Bundestag vertretenen Fraktionen durch Abgeordnete vertreten sind.

Beispielsweise Frau Dr. Martina Krogmann (MdB, Internet-Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion), Grietje Bettin (Medienpolitsche Sprecherin Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen) oder Dr. Ernst Ullrich von Weizsäcker (MdB, SPD Vorsitzender der Enquette Kommission "Globalisierung der Weltwirtschaft"), der uns in einem Fax mitteilte: "Ich höre, der Bundestag erwägt, auf Linux umzusteigen. Ich bin elektrisiert und würde mich freuen, wenn die Entscheidung zugunsten von Linux ausfiele." Auch die FDP und die PDS sind mit dabei.

Toll war, und ist die Zusammenarbeit mit den Linux/Freie Software Verbänden, die uns auch von Anfang an unterstützt haben und nicht zuletzt hat es einfach Spaß gemacht, so just for fun.

LC: Setzt Werk21 eigentlich auch Open-Source-Software ein?

BT: Ja, in allen Bereichen. Server-seitig ist bei uns alles Freie Software, die Webtools, die wir nutzen sind, Open Source. Auf den meisten Desktops läuft Suse 7.3 oder eine andere Distribution. Für die Grafik haben wir jedoch Macs. Wir bauen den Anteil von Freie Software immer weiter aus.

LC: Wir danken für das Gespräch.

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