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c`t Interview mit Andreas Gebhard von Bundestux

Open Source kein Bundesprojekt?

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die geplante zweite Runde zur Förderung des freien Verschlüsselungsprogramms GnuPG abgeblasen. c't sprach darüber mit Andreas Gebhard, dem Mitgründer der Initiative "bundestux".

c't: Der Geldhahn für freie Software aus dem Wirtschaftsministerium soll zubleiben - was bedeutet das für die Community?

Andreas Gebhard: Das wäre ein schwerer Fehler. Leider befinden wir uns in einer Neustrukturierung der Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium, vielleicht hat das auch mit den starken Lobbybemühungen von Microsoft zu tun. Als Werner Müller noch Minister war, lief einiges auf alle Fälle besser. Dabei könnte die Verwaltung mit freier Software viel Geld sparen! Doch Open Source wird sich auch ohne Unterstützung des Wirtschaftsministeriums durchsetzen, auch wenn das dann wohl länger dauern wird. Das Bundesinnenministerium plant aber noch weitere Projekte mit freier Software.

c't: Welche Vorteile sehen Sie beim Einsatz von Open Source in Bund und Ländern?

Gebhard: Besonders wichtig ist die Tatsache, dass Behördensoftware, sofern sie einmal als freie Software verfügbar ist, für jede Verwaltung in Bund, Ländern oder Kommunen kostenlos nutzbar ist. Und natürlich ist es für einen demokratischen Staat entscheidend, nicht in eine monopolartige Abhängigkeit zu geraten. Linux ist keine Firma, sondern eine quelloffene Technologie. Deshalb können hier keine Abhängigkeiten entstehen.

c't: Sie vermuten, dass die Regierung Open Source nur als Mittel zur "Kostendämpfung" in Lizenzverhandlungen mit Microsoft nutzt.

Gebhard: Mich beunruhigt die Tendenz, dass Linux nur noch als "Ass" im Ärmel dient, um gegenüber Microsoft aufzutrumpfen. Es sollte in erster Linie ein fairer Wettbewerb ermöglicht werden. Besonders brisant finden wir es, wenn die Redmonder mit dem Verweis auf das zarte Pflänzchen Linux der Politik glauben machen, dass sie kein Monopol hätten und schon Wettbewerb herrsche. Die Übernahme einer solchen Darstellung wäre ein Bärendienst, den der Bund Linux bescheren würde. Die Sorge um Chancengleichheit im Softwaremarkt sieht anders aus.

c't: Welche Vorschläge zur Stärkung des Wettbewerbs im Softwaremarkt und zum Abbau von Abhängigkeiten gegenüber einzelnen Konzernen hat Bundestux?

Gebhard: Wir fordern eine einheitliche Strategie des Bundes. Eine Arbeitsgruppe aus Innen- und Wirtschaftsministerium, aber auch mit dem Verbraucher- und dem Finanzministerium, wäre sinnvoll. Die Linuxförderung muss mehr an die Öffentlichkeit gehen - damit kann man sich profilieren.

c't 11/2003, S. 49: Open Source

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